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Wayra mit offenem 5G-Test- und Vorführlabor

Seit Anfang dieses Jahres leitet Florian Bogenschütz Wayra Deutschland, den Accelerator von Telefónica in Deutschland. In seinem Job sieht er eine großartige Chance, Start-ups und Telefónica zusammenzubringen, damit beide voneinander profitieren können. Wie er das erreichen will, erzählt er im Interview.

Redaktion: Was macht Wayra?

Bogenschütz: Das ist eigentlich ganz einfach erklärt: Wayra ist das Innovationslabor der Telefónica. Das bedeutet, dass wir gemeinsam mit den Start-ups innovative Lösungen für den Konzern entwickeln. Ziel ist es hier Telefónica und dessen Partner als Kunden für das entsprechende Startup zu gewinnen.
Mit Wayra sind wir nah am Start-up-Markt und kommen an Cutting-Edge-Solutions, also an hochmoderne technologische Lösungen. Großen Unternehmen fällt es zum Teil schwer, Zugang dazu zu bekommen, weil ihnen Ressourcen und oftmals das spezielle Know-how fehlen.

Redaktion: Was haben Geschäftskunden von Telefónica und o2 Business davon?

Bogenschütz:
Sie profitieren von neuen Technologien und noch besseren Angeboten. Bei Wayra haben beispielsweise ein Start-up gefördert, das eine Lösung für den besseren Schutz der Vernetzung von mehrerer Unternehmensstandorten, sogenannte SD-WANs (Software Defined Wide Area Network) entwickelt hat. Telefónica bietet solche Vernetzungen an und kann mit Hilfe des Start-ups die Cybersecurity ihrer Kunden verbessern. Geschäftskunden profitieren also davon, dass Telefónica ein umfassenderes Angebotsportfolio bekommt und sie so nur einen Ansprechpartner brauchen.

Florian Bogenschütz, CEO & Geschäftsführer Wayra Germany

Viele Start-ups bei Wayra beschäftigen sich mit Künstlicher Intelligenz. So hat das junge Unternehmen Neohelden eine Lösung entwickelt, mit der in Produktion und Logistik alte System fit für 5G gemacht und per Sprachassistent gesteuert werden können. Das Start-up Dimenco bietet eine Plattform für Simulated Reality (SR), um mit realistischen 3D-Objekten nahtlos in einer virtuellen Umgebung zu interagieren – ohne zusätzliche Headsets zur Projektion der Bilder.

In den nächsten Monaten und Jahren werden wir einen wahren Innovationsschub erleben, der Abläufe und Angebote von Telefónica und anderen Unternehmen verbessert. Davon profitieren dann auch Geschäftskunden ganz unmittelbar. In diesem Zusammenhang bauen wir unser Büro aktuell zu einem 5G-Testlabor im Zentrum von München um.

Redaktion: Was kann ich mir darunter vorstellen?

Bogenschütz: Wir als Wayra bieten die Umgebung an, in der Unternehmen ihre Entwicklung im 5G-Umfeld testen und vorführen können. Hier kann man ausprobieren, wie eine Anwendung mit 5G funktioniert. Bei uns lässt sich auch simulieren, wie eine Lösung funktioniert, wenn 5G etwa durch dicke Betonmauern hindurch muss oder wenn gleichzeitig viele Millionen Geräte in einer Funkzelle auf das Mobilfunknetz zugreifen. Wir wollen 5G anfassbar und erlebbar machen.

Die Testmöglichkeiten gehen bei uns so weit, dass wir auch am Kern des 5G-Netzes Änderungen vornehmen können, um zum Beispiel auch besondere Anforderung, wie es sie etwa in einem Campusnetz geben kann, ausprobieren zu können. Das 5G-Testlabor ist also ein spannendes, praxisnahes Angebot für Geschäftskunden, die sich für 5G interessieren.

Die Wayra ist nicht nur ein kreativ Ort, sondern auch ausgestattet mit einem modernen 5G-Testlabor.

Redaktion: Worauf kommt es deiner Meinung nach in einem Innovationslabor wie Wayra an?

Bogenschütz: Mir sind zwei Aspekte sehr wichtig: Kooperationen und Transparenz. Ich glaube, dass große Unternehmen in einem wahnsinnig schnellen, kompetitiven Umfeld nicht ohne Kooperationen mithalten können. Dafür brauchen wir ein Tech-Lab, das „hyper-open“ ist für jedermann. Wir dürfen dabei nicht nur daran denken, was wir verkaufen und mit wem wir Partnerschaften eingehen. Vielmehr müssen wir auch mal probieren, wie etwas ins Telefónica-Umfeld passt. Das wird gerade auch mit 5G spannend, weil 5G als Wegbereiter für neue Geschäftsmodelle eine riesige Rolle spielt. Wir bauen mit 5G die nächste Datenautobahn. Sie zu nutzen, muss Basis aller unserer Überlegungen sein.

Redaktion: Kannst du das konkreter erklären?

Bogenschütz: Wir müssen stärker an IoT-Anwendungen heran, die auf 5G laufen. Wie können wir zukünftig Komplettlösungen bauen, die dem Kunden wirklich einen Mehrwert liefern? Das ist die Frage, die wir uns stellen müssen. Dabei dürfen wir nicht aus den Augen verlieren: Alles, was wir tun, darf nur gemacht werden, wenn es zum Ziel hat, entweder 1. Kosten zu senken oder 2. Umsatz zu erhöhen.

Das kann zum Beispiel durch das vorhin genannte Beispiel zu SD-WAN erreicht werden. Es kann aber auch ein Chatbot sein, der auf künstlicher Intelligenz basiert und an Kunden wie Tchibo weitergereicht werden kann. Oder IoT-Lösungen, wie die von dem Start-up FoldAI, die Umweltsensoren für smarte Städte oder auch Wälder entwickelt haben. Bei Wayra werden viele hochinteressante Anwendungen entwickelt, die echten Mehrwert bringen.

Bringt echten Mehrwert, das Startup FoldAI.

Redaktion: Was haben denn eigentlich Start-ups davon, wenn sie mit Telefónica zusammenarbeiten?

Bogenschütz: Auf der prozessualen Seite sind große Unternehmen wie Telefónica in der Regel sehr gut. Außerdem haben sie gelernt mit Komplexität umgehen. Start-ups können in beiden Bereichen von der Zusammenarbeit mit Telefónica profitieren. Und auch die Aussicht, Telefónica und deren Geschäftspartner als Kunden gewinnen zu können, ist natürlich ein interessanter Anreiz.

Redaktion: Profitiert Telefónica in ähnlicher Weise von Start-ups?

Bogenschütz: Ja, denn große Unternehmen müssen schneller werden, wenn sie innovativ bleiben wollen. Sie müssen sich auf die Geschwindigkeit von Start-ups einlassen, Neues auszuprobieren. Die Zusammenarbeit mit agilen Start-ups verkürzt für große Unternehmen lange Planungszeiten und erschließt tolles Experten-Know-how in unterschiedlichen Themenbereichen. Davon profitiert auch Telefónica. Und vielleicht noch etwas Finanzielles: Start-ups sind oft besser darin, ihr Geld wirklich für den Kern des Unternehmens einzusetzen und nicht in die Bürogestaltung oder Statussymbole.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Florian. Wir sind gespannt, welche Start-ups Wayra für Telefónica noch entdecken und fördern wird.